WordPress war lange die naheliegende Antwort auf fast jede Website-Frage. Heute ist es für viele Unternehmen ein Flickenteppich aus 23 Plugins, von denen drei nicht mehr aktualisiert werden und eines den Server gelegentlich lahmlegt. Das ist kein Angriff auf ein Werkzeug, das das Web geprägt hat – sondern eine nüchterne Frage: Trägt es noch?
Webflow vs. WordPress: Warum WordPress nicht mehr trägt
WordPress ist kostenlos — bis man Plugins, Wartung und Sicherheitsvorfälle zusammenrechnet. Ein nüchterner Vergleich, inklusive der Fälle, in denen WordPress die bessere Wahl bleibt.
Ein Blogging-Tool, das alles können musste
WordPress startete 2003 als Blogging-Tool. Das iPhone existierte nicht, „responsives Design“ war kein Begriff, eine Website bestand aus ein paar HTML-Seiten. Seitdem wurde das System so lange mit Erweiterungen gefüllt, bis es irgendwie alles kann – aber nichts davon richtig gut.
Eine frische Installation kann fast nichts. Sie brauchen ein SEO-Plugin, ein Cache-Plugin, ein Sicherheits-Plugin, ein Formular-Plugin, ein Backup-Plugin – und ein Plugin, das die anderen Plugins verwaltet. Der Durchschnitt liegt bei 15 bis 30 Stück, jedes von einem anderen Anbieter, jedes mit eigenem Update-Zyklus. Das ist keine Architektur, das ist ein Kartenhaus.
Das ist kein Angriff auf WordPress-Entwickler, sondern Systemkritik.
Die Kosten, über die niemand redet
WordPress selbst ist kostenlos. Das ist ungefähr alles, was kostenlos ist. Realistisch gerechnet:
- Hosting: 10–80 Euro pro Monat für Performance, die trägt
- Premium-Plugins: 200–600 Euro pro Jahr für SEO, Sicherheit, Formulare, Cache
- Premium-Theme oder Pagebuilder-Lizenz: 50–200 Euro einmalig
- Wartung und Updates: 1–3 Stunden im Monat
- Sicherheitsvorfälle: im Schnitt alle zwei bis drei Jahre ein größeres Problem
Der letzte Punkt ist der teuerste. Über 90 Prozent aller gehackten CMS-Websites laufen auf WordPress – nicht weil das System besonders schlecht wäre, sondern weil sich Angriffswerkzeuge dort am meisten lohnen. Wird eine Unternehmenswebsite gehackt, markiert Google sie als unsicher, Rankings brechen ein, Besucher sehen eine Warnmeldung. Das Vertrauen kommt nicht automatisch zurück.
Was Webflow anders macht
Webflow ist kein WordPress-Klon mit besserem Interface, sondern ein anderer Ansatz.
Visual-First. Sie bauen im Browser, und was Sie sehen, geht genau so live. Kein Theme-Framework, das erst verstanden werden muss, kein Kampf gegen vorgefertigte Styles. Gestaltet wird mit echten CSS-Eigenschaften – Flexbox, Grid, Custom Properties – ohne eine Zeile Code.
Ein CMS mit Logik. Datentypen definieren, Collections verknüpfen, Templates bauen. Blogposts, Projekte, Teammitglieder folgen derselben Struktur. Und Kunden pflegen Inhalte selbst, ohne Schulung und ohne die reale Gefahr, dabei das Layout zu zerlegen.
Performance ohne Nachhilfe. Sauberer HTML-Code auf einem globalen CDN. Schnelle Seiten ohne Cache-Plugin, ohne Lazy-Load-Plugin, ohne Minifizierungs-Plugin. Core Web Vitals sind ein Rankingfaktor – hier entsteht der Vorsprung von allein.
Wann sich der Wechsel lohnt – und wann nicht
Webflow ist nicht für jeden die richtige Wahl. Alles andere wäre unehrlich.
Webflow passt, wenn Sie eine performante Website ohne permanente Wartung wollen, Ihr Team Inhalte eigenständig pflegen soll, Design-Konsistenz keine Kompromisse duldet und Sie keine komplexe serverseitige Logik brauchen.
WordPress bleibt sinnvoll, wenn Sie ein hochkomplexes Custom-Plugin-Ökosystem betreiben, WooCommerce als vollwertigen E-Commerce-Kern nutzen oder tief mit Hooks und Filtern arbeiten.
Ein professioneller Webflow-Relaunch kostet je nach Größe 3.000 bis 15.000 Euro. Dagegen zu rechnen sind gesparte Plugin-Kosten, etwa 30 Entwicklerstunden Wartung über drei Jahre und das vermiedene Risiko eines Sicherheitsvorfalls. Auf einen Drei-Jahres-Horizont amortisiert sich der Wechsel für die meisten Unternehmen in 18 bis 24 Monaten.
WordPress hat das Web geprägt und Millionen Menschen eine Website ermöglicht. Das verdient Respekt. Es ist nur nicht mehr die Standardantwort.

